nein



Peter als Teenie, gefunden auf wiki.

Stiller

Aus Stiller, Max Frisch:

Einen Unterschied zwischen Sex und Erotik schien hier niemand zu kennen. Und wenn sie dann ihren strotzenden Mangel auch noch fuer Gesundheit hielten, nein, es war nicht immer lustig, es war langweilig. Was hat Neuyork nicht alles zu bieten! Es war eine Schande, sich hier zu langweilen. Allein die Konzerte! Aber das Leben selbst, das alltaegliche, das Einkaufen, das Mittagessen im Drugstore, das Fahren im Bus, das Warten einer Station, das Drum und Dran, das neun Zehntel unseres Lebens ausmacht, es war so unerhoert praktisch, so unerhoert glanzlos. Manchmal ging Sibylle ins italienische Viertel, um Gemuese zu kaufen, wie sie meinte: tatsaechlich ging sie, um zu sehen, hungrig nach Sehenswertem. Oder lag es an Sibylle? Nach etwa einem halben Jahr hatte sie das bittere Gefuehl, alle Menschen enttaeuscht zu haben. Sie hatte ein Buechlein voll Adressen, aber wagte niemanden mehr anzurufen. Womit hatte sie all diese freundlichen Freunde enttaeuscht? Sie wusste es nicht, sie erfuhr es nicht. Es bedrueckte sie ernsthaft. Indessen, und dies verwirrte Sibylle noch mehr, hatte sie ueberhaupt nichts verscherzt, ganz und gar nicht; traf man sich zufaellig, toente es genau wie beim ersten mal: Hallo Sibylle! und auf der anderen Seite war keine Spur von Enttaeuschung. All diese offenen und so selbstverstaendlichen Leute, schien es, erwarteten nicht mehr von einer menschlichen Beziehung; sie brauchte nicht weiterzuwachsen, diese so freundliche Beziehung. Und das war fuer Sibylle wohl das Traurige; nach zwanzig Minuten ist man mit diesen Menschen soweit wie nach einem halben Jahr, wie nach vielen Jahren, es kommt nichts mehr hinzu. Es bleibt bei dem offenherzigen Wunsch, dass es dem andern wohlergehe.

21:21 Friday Night

Freitag Abend, 21:21. Schule geschwaenzt, den ganzen Tag gefaulenzt und gelesen.
Meine neue Gastfamilie, die Jessens, setzt sich zusammen aus Juli, alleinerziehende Frau in den 40ern und Maggie, ihrer Tochter, 4 Jahre alt. Ihr Vater ist ein anonymer Samenspender.
Ferner Liney und John Jessen, Juli’s Eltern. Liney ist in den 70ern und die Altersmerkmale ihres Gesichts lassen eine unglaubliche Freundlichkeit und Bodenstaendigkeit erahnen. Ueberhaupt habe ich mich selten auf Anhieb bei einer fremden Person so geborgen gefuehlt. Die Jessens sind sehr wohlhabend, aber von Dekadenz keine Spur. Das war ich bisher nicht gewohnt. John war einmal im Gefaengnis, dazu sagt er nur ‚it sure was a great experience‘. Quer gegenueber wohnen die Deckey’s; Gowlan, Juli’s Schwester mit Ehemann George, ihren Soehnen Davey, Alex und Ben und ihrer Tochter Annie. George’s Nase springt einem sofort ins Gesicht, ausserdem begeistert er sich fuer Radsport. Ausserdem noch Aracelli, Maggies Nana/Kindermaedchen, die nur Spanisch spricht. Das ist nicht immer leicht.
Im Moment ist Juli mitsamt Tochter und Nana auf einem dreiwoechentlichen Aufenthalt in Belgien, dort will sie ihrem Geschaeft den europaeischen Markt eroeffnen.
Fuer mich heisst das: Drei Wochen Abenteuerland. Ich lebe so ziemlich allein, die Deckey’s vom Haus quer gegenueber werfen hin und wieder mal ein Auge auf mich.
Aber sonst lebe ich alleine. Mit: Haus abschliessen, Geschirr spuelen, Waesche waschen, Hunde fuettern, Licht im ganzen Haus loeschen, Muell rausbringen, Airconditioning einstellen und aufraeumen.
Und: Laut auf Julis recht anstaendiger Kompakt-Anlage Musik hoeren, Poolparties, rauchen im Baumhaus, Poolparties, Bier, kiffen im Baumhaus, Damenbesuch und Poolparties.
Da kommen gemischte Gefuehle auf. Ich fuehle mich schrecklich erwachsen, verantwortungsvoll und selbststaendig. Und frei. Ganz schoen komisch und ungewohnt, fuer ein 3 Wochen-Abenteuer aber seehr cool. Und endlich hatte ich mal die Moeglichkeit, mich ins Nachtleben Yuma’s einzumischen.
Gerade kam Tyler vorbei, ein Footballkollege, und hat mich mit Bier, Vodka und Zigaretten beschert. Dann haben wir noch einen Blunt geraucht, bevor er weitergefahren ist um im Teich der Schule zu fischen. Bei der Vorstellung, in die Schule einzubrechen nur um zu fischen, muss ich lachen. Ghetto.
Das Poollicht schimmert gruen in mein Wohnzimmer, die Laptopspeaker pusten schwach Musik in die Luft.
Davey kommt gleich und bringt ein paar Freunde mit. Wenn es soweit ist, ist der Vodka kalt.

Bruce The Brush

Bruce streicht unser Haus. Er nennt sich Bruce The Brush, was soviel heisst wie Peter der Pinsel. Bruce ist ein wenig distanzlos.
Diesen Morgen klopfte es an mein Fenster.

„Can you open that god damn window, I need to paint here!“

„Thanks man… So, how long have you been to the U.S.?“

„Oh… So is school easy for you or what?“

„Yeah… That’s what I tought… It’s cause they‘re all Communist.“
„Oh really? I never heard about that before…“
„Well yeah, they are. You know, Communist is the same as Socialist.“
„Interesting point of view Bruce, but I don‘t see how the schools here are Communist.“
„Well, they are! That’s why they all suck. All the teachers are Communist, they are all in their… ‚Unions‘ and shit like that… They just fuck up our kids! You never realized that? “
„Not really…“
„See, they all have their… ‚Communes‘ and their ‚Unions‘ you know… It’s cause they all suck! They‘re all Socialist! My son went to college…“
„And is he a Communist?“
[Hoffnungsschimmer]
„Well… yeah he used to be. You know, all they do in college is drinking and… doing drugs and… being Communist and… living in their ‚Communes‘ and their ‚Unions‘… My son used to be one of those kids that dye their hair black and wear make-up to school, you know.
But then he went to Jamaica. When he came back from Jamaica, he changed… Something must have happened to him. You know, he had that idea of living with the ‚Rastafari-people and smoking ‚Ganja‘ everyday up in the mountains… He didn‘t even have a plane-ticket back.“
„So he stopped being Communist in Jamaica?“
„Well his girlfriend then… She didn‘t want a baby… She was on the pill… I mean she wanted a baby… You know, then she had a baby and…“
„…your son stopped being Communist?“
„Your life just changes when you have a baby… You know, all those college-teachers, they‘re all Communist… Now my son is an artist. He sits at home all day and sells art. When he got back from Jamaica he got straight into college… Hid grandmother is babysitting right now, while he is drawing some stupid shit…“

Bruce riecht.

Ich schliesse mein Fenster.

Post

Sie sitzt den ganzen Tag hinter verschlossener Tür und guckt brasilianische Telenovelas auf DVD

Post von da, wo das Maedchen in meinem Zimmer lebt.

Ich hab heute nacht von dir getrauemt. ich traueme viel hier. Du warst wieder zu Hause und ich auch und irgendwie haben wir uns an einer Tankstellegetroffen, du hattest eine rosane Hose an und wir haben die ganze Zeit gelacht :D

Post aus Neuseeland

Great Gig In The Sky

orgasmus

Exportschlager

Yeah, 52 verdammte Keksschachteln hab ich verkauft! Mit Spenden macht das fast $800 fuer mein Track-Team. Wir kriegen naemlich kein Geld von der Schule, und deswegen schickt der Coach uns jetzt Keksteich verkaufen. Aber ich werde abhauen und mit Gitarre und iPod nach Los Angeles oder San Francisco oder Mexico trampen, mein frisches kleines Vermoegen auf den Kopf hauen und dann die Flughafen-Uschi anrufen und ein Flugticket nach Frankfurt fuer naechste Woche buchen.

Letztes Wochenende war in Downtown-Yuma Mardi Gras angesagt. Da hab ich Allie und ihre Familie getroffen. Ihre Mutter war nicht dabei, ihre Eltern stehen kurz vor der Scheidung. Sie hat zwei Schwestern; Eine 19, eine 13. Die 19-jaehrige erschlaegt mich mit ihrer Kosmetik, sie schaut mich ziemlich herablassend an und wendet sich dann wieder zu ihrem Freund. Die Augen der 13-jaehrigen werden gross als sie erfaehrt, dass ich aus Deutschland komme. Sie kann es kaum fassen. Ich bin von der Bewunderung nicht so ganz begeistert und frage nach, woher diese Begeisterung kommt. Ihre Lieblingsband sei deutsch, sagt sie. Ich denke sofort an Rammstein. Ich weiss nicht, wieviele Jungen und Maedchen und Frauen und Maenner mich schon gefragt haben, was „Du has(s)t mich“ heisst. Deswegen die Vermutung. Allies kleine Schwester kann sogar ein wenig Deutsch, ein Wort, um genau zu sein.
„durschdenmonsun“
Ich muss ein wenig schmunzeln.
Ich bin fest davon ueberzeugt, dass Deutschlands Zukunft den Namen Tokio Hotel traegt. Ihre Alben haben es bis in die erste Reihe der Walmart-Regale geschafft, Poster von Bill (Tom ist ueberhaupt nicht beliebt) findet man zwischen Gwen Stefani und Orlando Bloom. Sie haben die Herzen und die Schminktaeschchen der vorpubertierenden Ami-Teens erobert, und das sieht man Allie’s kleiner Schwester deutlich an. Im Moment vielleicht noch eher eine Subkultur, aber wenn die treuen Fans erwachsen werden schaffen sie es in die Mitte der Geselschaft. Ich glaube fest daran. Und dann gibt es eine Welt, in der Austauschschueler mit „durschdenmonsun“’s und Liedschatten begruesst werden, anstatt mit Hitlergruessen und „Auschwitz“’s.

Dieses Wochenende gehts Snowboarden, ich freue mich total. Louise aus Belgium ist auch dabei. Yeah

Everything You Do is a Balloon

klasse video, klasse song, klasse band


hier der Originalfilm

Schulweg

Mein Handy vibriert auf dem Holzschrank direkt neben meinem Bett, von dem ekligen Geraeusch wache ich auf.
Peggy sitzt bereits an der Kuecheninsel und trinkt Milchkaffee, Zeitung lesend. Auf meinem Weg mache ich eine scharfe Rechtskurve ins Bad.
Tropfend schlendere ich zurueck in mein Zimmer und rufe Thais an. Sie war naemlich das Wochenende ueber in San Francisco, und weil ihre Gastmutter uns normalerweise zur Schule faehrt (Thais wohnt nur ein paar Haeuser die Strasse runter), muss ich jetzt heraus finden ob Thais wieder da ist.

Mit Musik in den Ohren, Sportbeutel auf dem Ruecken und grossen weissem Ordner unterm Arm laufe ich die Strasse hinunter. Mir faellt auf wie nass und weich das Gras ist. Ungewoehnlich, hat wohl letzte Nacht geregnet. Wie jeden Morgen, wenn ich die kleine Strasse entlanglaufe, kommt mir der riesige gelbe Schulbus entgegen. Die Busfahrerin glotzt mich jeden morgen wieder grimmig an. Am Ende der Strasse sehe ich, wie Thais und ihre Gastmutter ins Auto einsteigen. Ein paar Meter weiter halten sie neben mir, ich klettere in den Wagen. Thais erzaehlt von San Francisco.

Ich laufe ueber den Schulhof und halte nach bekannten Gesichtern Ausschau. An einem der Lunchtables sehe ich Cody und Andre; Cody haelt ein Nickerchen und Andre wartet auf seine Freundin.
„Auschwitz!“
Ich bin gemeint.
Ich setze mich. Smalltalk. Wir sprechen ueber den kommenden Tarantino Film, „Inglorious Bastards“. Ein Nazi-Film mit Brad Pitt.
„Germany is gonna watch his ancestors die.“
Seitdem ich Andre beim Poker ausgenommen habe, hat er mit der WW2-Schiene angefangen. Cody wacht auf. Wir sprechen weiter ueber Tarantino, ueber ein Video, dass ich Cody geschickt habe. Andre holt einen Aufklebe-Bart heraus und haelt ihn mir ueber die Lippe.
„Does he look like Hitler now or what?“

Mr. Cong, mein Physiklehrer, eroeffnet die Stunde, wie jeden Morgen, mit einem Lied. Sound of Silence war es heute. Ich war zufrieden.

Nazi-Dinos

Epischer Doku-Action-Thriller…
…gefunden auf der YouTube Mainpage.